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Ein Service des sächsischen Landesamtes für Archäologie

Über Karl Benjamin Preusker

Karl Benjamin Preusker (* 22. September 1786 in Löbau; † 15. April 1871 in Großenhain) kann als der bedeutendste Wegbereiter des öffentlichen Bibliothekswesens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und Vorläufer der späteren Bücherhallenbewegung bezeichnet werden. Zugleich war er Schriftsteller, Archäologe und Museumspionier in Sachsen. Aufgrund seines gemeinnützigen Engagements wird er auch als Philanthrop betrachtet. Ihm zu Ehren verleiht der Dachverband BID, Bildung & Information Deutschland e.V., die Karl-Preusker-Medaille an Personen und Institutionen, die sich um Bibliotheken und Literatur verdient gemacht haben.

Für den Kaufmannsberuf vorgesehen, entwickelte Preusker früh eine Neigung zum Sammeln und zur geistigen Tätigkeit. Eine Buchhändlerlehre in Leipzig (1805–1809) wurde seinen Interessen mehr gerecht, doch nach einer weiteren Tätigkeit als Buchhändler in Braunschweig sowie im elterlichen Geschäft trat er bald nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 in den Militärdienst ein. Bis 1824 blieb er königlich-sächsischer Soldat (Quartiermeister), doch nutzte er den Aufenthalt in Leipzig dazu, Vorlesungen an der Universität zu hören. 1824 wurde er Rentamtmann in Großenhain, ein Amt, das er bis 1853 bekleidete und das ihm viel Zeit für seine wissenschaftlichen Interessen ließ.

Preusker als Bibliothekar

Er veröffentlichte nicht nur zahlreiche theoretische Schriften über Bibliotheken, sondern versuchte auch, seine Ideen in die Praxis umzusetzen. Er hatte am 24. Oktober (Tag der Bibliotheken) 1828 in Großenhain (Sachsen) die erste öffentliche Bibliothek ins Leben gerufen. Ab 1840 erweiterte er sein Konzept unter dem Einfluss humanistischer Gedanken dahingehend, dass der Mensch in allen seinen Anlagen, sowohl in den intellektuellen wie den emotionalen, gebildet werden müsse. Preusker betrieb eine intensive Bibliothekspropaganda und wurde allgemein als der Experte in Deutschland anerkannt. Über zehn Bibliotheken in Deutschland und in der Schweiz führen ihre Gründung auf seine Anregungen zurück. Krönung seiner Ideen ist das Konzept eines gestuften Bibliothekswesens, beginnend bei Dorfbibliotheken und gipfelnd in einer Nationalbibliothek. Er schlug ferner verschiedene Typen von Spezialbibliotheken vor und dachte auch bereits an eine Art von Dokumentationseinrichtung.

Preusker als Archäologe

Preusker widmete sich nach seinem Amtsantritt in Großenhain zunächst mit besonderem Eifer der Erforschung der vaterländischen Altertümer, also der heimatlichen Archäologie. In seinen Schriften formulierte er grundlegende Methoden und Ziele der modernen Archäologie bzw. Denkmalpflege. 1841/44 veröffentlichte Preusker sein Hauptwerk "Blicke in die vaterländische Vorzeit". Mit dieser ersten umfassenden Arbeit zur Archäologie Sachsens schloss Preusker sein 1824 begonnenes archäologisches Werk ab, nachdem er sich schon seit 1830 intensiv der Volksbildung zugewandt hatte. Preusker war Mitglied von 21 Geschichts- und Altertumsvereinen in ganz Deutschland, sowie des Königlich Nordischen Altertumsvereins in Kopenhagen. 1829 erhielt er die silberne Medaille der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften in Görlitz. Preusker pflegte einen intensiven Briefwechsel mit Sammlern, Altertumskundlern, Numismatikern und Sprachwissenschaftlern. Ein persönliches Verhältnis verband ihn mit Karl August Böttiger, Gustav Friedrich Klemm, Christian Adolf Pescheck oder Karl Wilhelmi.

Als Schüler hatte Preusker die ersten vorgeschichtlichen Funde erworben. 1853 übergab er seine ca. 900 Objekte umfassende Sammlung dem Dresdener Antikenkabinett, um sie dort dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie wird als Wurzel des Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden betrachtet. Zum Preusker-Jahr 2011 soll sie wieder vollständig im Landesamt für Archäologie Sachsen zusammengeführt werden. In den 1850er und 1860er Jahren förderte Preusker mit Altertümer-Doubletten und Bücherspenden die Einrichtung lokaler Altertumssammlungen. Vor allem in in Löbau und Großenhain gilt er als wichtiger Museumspionier.

Preusker als Philantrop

Besonders am Herzen lag ihm die Volksbildung. 1828 gründete er zusammen mit dem Arzt Emil Reiniger die Großenhainer Schul- bzw. Bügerbibliothek. 1830 richtete er eine Sonntagsschule für das berufliche Schulwesen ein. Lehrlinge und Gesellen sollten die Möglichkeit erhalten, sich für Beruf und persönliche Vervollkommnung fortzubilden. 1832 rief er in Großenhain den Gewerbeverein (zur Fortbildung der Gewerbetreibenden) ins Leben. Der praktisch denkende Preusker setzte sich aber auch für die Gründung einer Sparkasse, einer Kinderbewahranstalt für berufstätige Frauen und die Einführung einer Straßenbeleuchtung ein. Die Grundgedanken für sein gemeinnütziges Streben fand er in in Herders Humanitätslehre sowie in freimaurerischem Gedankengut.

Preusker-Jahr 2011 und Preusker-Nachlässe

Aus Anlass des 225. Geburtstags hat das Landesamt für Archäologie das Preusker-Jahr ausgerufen. In Kooperation mit den Städten Löbau und Großenhain sind drei Ausstellungen und ein gemeinsames Veranstaltungsprogramm geplant.

Von Jugend an hat Preusker seine Lebensbahn sorgfältig dokumentiert. Im Zuge der Pensionierung ordnete er die gesammelten Lebenszeugnisse neu und verarbeitete das Material in seiner handschriftlichen Autobiographie. Die wichtigsten Nachlässe befinden sich heute in Großenhain, Löbau und Dresden. Nur ein geringer Teil davon ist erschlossen. Zum Preusker-Jahr hat das Landesamt für Archäologie Sachsen mit der Erschließung des Briefverkehrs und der archäologischen Sammlung begonnen.

Quelle: Wikipedia zu Karl Benjamin Preusker im März 2011